Heute kommt die zweite Teilstrecke nach Bern an die Reihe. Gegen Mittag will ich mit dem Zug nach Jegenstorf und von da bis Bern laufen. Ich hatte am Morgen von meinem Mobilfunkanbieter kein Internet und konnte somit das Ticket nicht vorher per App kaufen, wie ich es sonst immer mache. Dafür habe ich mir Mühe gegeben, ein paar Minuten früher als sonst zum Bahnhof zu radeln, um genug Zeit für den Ticketkauf am Automaten zu haben. Ich stelle aber fest, dass das Problem wohl weitläufiger ist, als ich gedacht habe. Die Kartenzahlung am Automaten zeigt ebenfalls keine verfügbar Verbindung an. Bezahlung ist somit nur mit Bargeld möglich und zwar nur mit Münz. Bargeld habe ich sogar dabei, aber nur Noten. Darum mache ich einen Abstecher in den Kiosk um mir das Geld wechseln zu lassen. Die Verkäuferin hat dabei so miese Laune, dass ich mich kurz ärgere und mich erinnern muss, mir nicht von anderen die Laune verderben zu lassen. Schon gar nicht, wenn ich nichts über die Person und ihre Erlebnisse, Gedanken und Gefühle weiss. Und trotzdem, ein wenig Höflichkeit hat noch niemandem geschadet. Ich wünsche extra nett lächelnd einen schönen Tag und beeile mich, das Ticket zu lösen und den Zug noch zu erwischen. Was glücklicherweise klappt.

Das Wetter zum Starten ist wunderschön, Sonnenschein und blauer Himmel. Ich habe heute die Kamera dabei, um zu sehen, ob ich sie mitnehmen soll, oder nicht. Bei meinem ersten Start hatte ich sie dabei und sie war mir nur im Weg und das Gewicht um den Hals hat sich bemerkbar gemacht. Daher habe ich sie beim ersten Probelauf zu Hause gelassen. Da ich mir aber ab und zu gewünscht habe, richtige Fotos zu machen und das Rucksackgewicht nicht so ein Problem schien, habe ich sie heute als Test mitgenommen. Ich bin einfach mit der Qualität meiner Handyaufnahmen nicht so glücklich. Mit der Kamera kann ich zwar auch nicht top umgehen und habe schon lange nicht mehr fotografiert, aber ich will schon ewig wieder damit anfangen, also würde es ja eigentlich passen. Nachdem ich den Bahnhof hinter mir gelassen habe, mache ich daher gleich einen Halt, um zu fotografieren. Als ich die Kamera einschalte, teilt diese mir mit, dass die Speicherkarte nicht gelesen werden kann. Ich nerve mich und verdrehe die Augen über mich. Ich habe vor ein paar Tagen die Speicherkarte gewechselt, weil ich die andere für was anderes gebraucht habe. Und habe natürlich nicht vorher ausprobiert, ob alles funktioniert. Aber das ärgert mich immerhin weniger, als gar keine Speicherkarte drin zu haben. Das habe ich auch schon geschafft. Kurz überlege ich mir, ob ich via Kamera die Karte neu formatieren soll, um zu probieren, ob es so funktioniert. Dabei können allerdings Daten verloren gehen und ich habe keine Ahnung, ob noch irgendwelche Dokumente drauf sind. Darum lasse ich es und halte mich mal wieder an die Handykamera.

Die Stimmung im Wald mit der einfallenden Sonne ist wunderschön, ich sehe überall Schmetterlinge tanzen und bin für eine Weile hochmotiviert und ausnahmsweise mal wieder der Meinung, dass das ganze Unterfangen eine gute Idee ist.

Mit dem Rucksack habe ich heute wieder mehr Probleme, nach einer Weile spüre ich Schultern und Rücken. Wobei ich zur Erkenntnis komme, dass die Kamera da wohl ihren Anteil dran hat und sie somit definitiv zu Hause bleiben muss. Gegen Ende nervt sie mich immer mehr. Gut habe ich es beim Probelauf nochmals probiert. Dann kann ich sie noch zu Hause lassen, habe es aber auch nochmals probiert.

Das letzte Stück an der Aare entlang Richtung Bern ist sehr schön, meine Motivation aber schon wieder im Keller und ich freue mich einfach nur aufs Ankommen. Dafür sehe ich den Eisvogel vorbeifliegen. Bisher habe ich ihn nur über der Emme oder kleineren Bächen hinwegfliegen sehen. Dabei ist mir zum ersten Mal richtig aufgefallen, wie laut und charakteristisch sein Pfeifen ist. Ich habe ihn nämlich zuerst gehört und weiss sofort, dass gleich der Eisvogel vorbeifliegen wird und so ist es dann auch. Die Tierbegegnungen sind meine Highlight beim Wandern und ich hoffe auf viele weitere.

Als ich in Bern ankomme bin ich sehr erleichtert. Auf dem Weg durch die Stadt zum Bahnhof kaufe ich bei Ässbar, einem Laden, der Backwaren frisch von gestern verkauft, ein Sandwich. Danach tausche ich noch meine Regenhosen ein, die ich zu klein gekauft habe. Passen tun sie allerdings immer noch nicht wirklich, diese Grösse ist mir unten zu lang und beim Bund zu weit. Aber egal, besser als nichts. Beim nächsten Regenhosenkauf werde ich mir aber mehr Mühe geben, etwas Passendes zu finden.

Das Wetter ist am Morgen sonnig, am Nachmittag bewölkt und nicht zu warm. Angenehm zum Wandern.

Die Strecke war laut Komoot ca. 20Km mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 5.6km/h - Ich weiss aber nicht, wie genau das ist. Sitzend in der Pause war meine Laufgeschwindigkeit auch mal 2.9km/h...

Die reine Laufzeit war ca. 4h.