Ich habe mich jetzt dazu entschlossen, lange genug mit dem zweiten Anlauf zu warten und die Strecke Kräiligen-Bern in zwei Tagesetappen zu machen. Dann kann ich mich an den Rucksack gewöhnen und zu Hause bei Bedarf umpacken und mir die teuer Übernachtung sparen. Heute laufe ich los, und gehe, soweit ich komme. Erstmals die gleiche Strecke, die ich schon vor 10 Tagen gemacht habe.
Meine Motivation ist nicht gerade riesig und ich bin wie so oft die letzten Tage einfach nur überzeugt, dass das ganze Projekt eine Schnappsidee ist und ich besser einfach zu Hause bleibe. Spannend finde ich dabei, wie viel der Kopf ausmacht. Wenn ich einfach loslaufe und den ganzen Tag nichts anderes zu tun habe, als rumstromern, kann ich problemlos 30km laufen. Wenn ich aber mit dem Ziel, möglichst weit zu kommen unterwegs bin und gleichzeitig das Gefühl habe, zu Hause liegt so viel, was ich machen sollte, dann komme ich nur mühsam vorwärts und alles fühlt sich viel länger und anstrengender an.
Auf dem Weg treffe ich ein Eichhörnchen, dass keckernd in den Bäumen rumturnt, ich höre und sehe viele Vögel, darunter auch immer wieder Fischreiher. Die Sonne scheint, wird aber immer wieder von Wolkenschlieren abgeschwächt, wofür ich ganz dankbar bin. Den Rucksack habe ich mittlerweile besser eingestellt. Der Rücken tut mir so zum Glück nicht mehr weh. Anstrengender ist es mit Rucksack trotzdem. Das habe ich total unterschätzt. Vermutlich gewöhne ich mich irgendwann daran, aber für den Anfang ist es definitiv nicht zu unterschätzen. Nach einer Weile spüre ich meine Hüften immer deutlicher. Das habe ich normalerweise nur bei ganz langen Spaziergängen. Aber mit dem Rucksackgewicht geht es schneller. Kurz vor Jegenstorf entscheide ich, dass das für einen ersten Versuch für heute reicht und nehme den Zug nach Hause. Ich bin 4 Stunden gelaufen, vermutlich etwas über 15km, so genau weiss ich es aber nicht, da ich meinen Weg nicht aufgezeichnet habe.


