10.10.2026 / Via Jacobi / Morges bis Gland
29.9km / 270m rauf, 240m runter / 5h 32min Laufzeit / 07.53min unterwegs
bewölkt, zwischendurch Sonne / Gîte pour pèlerins de Gland

Der Fehlkauf

Am Morgen mache ich mich zuerst auf die Suche nach einer Kirche für meinen Pilgerstempel. Nachdem diese Mission erledigt ist, schlendere ich über den Samstagsmarkt in Morges, aber nur kurz, bevor ich wieder aus der Stadt flüchte. Das Einzige, was ich gekauft habe, war ein Kaffee, der allerdings meinen Geschmack nicht so getroffen hat.

Kurz darauf führt der Weg wieder am See entlang. Der Wind verursacht Wellen, sodass ich mich ein bisschen wie am Meer fühle. Ich beobachte die Schwäne. Heute herrscht nicht so strahlender Sonnenschein wie gestern und es hat entsprechend viel weniger Leute. Sehr angenehm. Das Wetter spielt allerdings ein bisschen verrückt. Es wechselt ständig zwischen Regenschauern und drückender Sonne. Entsprechend bin ich den ganzen Tag mit anziehen, ausziehen, umziehen beschäftigt. Beim ersten Regenschauer ziehe ich meine Regenhosen an, weil ich nicht wie beim letzten Mal in den nassen Hosen frieren will. Nach 5 Minuten ziehe ich sie allerdings genervt wieder aus. Das war mal ein eindeutiger Fehlkauf. Das sie mir nicht so wahnsinnig gut passen, war mir ja schon kurz nach dem Kauf klar. Ich dachte aber egal, Hauptsache ich habe welche. Beim Laufen stelle ich jetzt fest, dass ich lieber nass werde, als nicht passende und raschelnde Regenhosen zu tragen. Daher kommen sie wieder in den Rucksack. Trage ich sie halt für nichts mit. Da es mittlerweile auch wieder aufgehört hat zu regnen, werde ich nicht einmal nass.

In Gedanken versunken

Mein Handy hat ständig das Gefühl, ich sei schon in Frankreich und sendet mir Willkommens-SMS mit Roaming-Informationen. Heute bin ich mal wieder froh, um meine Handyapps. Die Strecke ist weniger häufig und gut ausgeschildert als bisher und ich prüfe oft, ob ich noch richtig bin oder navigiere ganz anhand der App. Die Strecke führt am Nachmittag vermehrt Strassen entlang. Irgendwann fährt ein Auto neben mir vorbei. Der Fahrer bremst ab und fragt mich etwas auf Französisch. Ich bin so tief in Gedanken versunken und gerade ganz woanders, sodass ich eine Weile brauche, um zu begreifen, dass er mich wohl gefragt hat, ob er mich mitnehmen soll. Ich schüttle immer noch leicht verwirrt den Kopf. Er vergewissert sich mit fragendem Daumen hoch ob alles okay ist und fährt dann weiter. Der hat sich wohl auch gewundert, wieso da jemand bei Regenwetter mit Rucksack der Strasse entlang spaziert.

Bonjour

Bei der heutigen Pilgerherberge muss man sich bei der Ankunft telefonisch bei der zuständigen Person melden. Ich google kurz die wichtigsten Pilgerbegriffe auf Französisch und rufe dann an. Das Gespräch klappt ganz gut, J. gibt mir den Code, damit ich ins Gebäude komme und sagt, dass er für die Einweisung gleich vorbeikommt. Kurz darauf steht er in der Tür, stempelt meinen Pilgerpass und füllt meine Angaben in eine Liste ein. Während unserem Gespräch wird er von seinem Telefon unterbrochen. Ich höre beide Seiten reden und muss schmunzeln. Die Person am anderen Ende kann kaum Französisch und sie unterhalten sich in einer Mischung aus französischen und deutschen Satzfetzen. Für Verwirrung sorgt der Preis. Eine Übernachtung kostet für die Pilger hier nur 10 Franken. Nachdem sie das geklärt haben, erzählt er mir, dass vermutlich noch die beiden Pilger von seinem Telefongespräch eben plus eine weitere Pilgerin heute hier übernachten werden. Also nichts mit meiner Ruhe heute. J. verabschiedet sich bis auf Weiteres.

Das ist doch...

Ich setze mich an den Tisch und stöbere in den Büchern, die auf dem Tisch zum Lesen bereitliegen. Und was lacht mich an? Der wärmstens empfohlene Reiseführer für die Via Gebennensis, wo ich mich schon geärgert habe, den nicht zu besitzen. Ich blättere die Seiten durch und schreibe mir ein paar Sachen raus. Inklusive Alternativen für die Übernachtung der letzten Etappe. Somit kann ich meine gestern in der Not getätigte Booking-Buchung wieder stornieren. Das geht noch bis heute Abend. Perfekt. Ich freue mich darüber, dass irgendwie doch immer alles so gut aufgeht.

Kurz darauf kommt erst T. und kurz darauf M. und Th. in der Unterkunft an. Alle drei sind Etappenweise auf dem Jakobsweg unterwegs und beenden die aktuelle Strecke morgen in Genf. T. war für ein verlängertes Wochenende am Pilgern. M. und Th. sind mit den Fahrrädern unterwegs und waren zwei Wochen auf dem Weg. Wir unterhalten uns noch eine Weile, bevor ich wieder eher früh schlafen gehe.