09.10.2026 / Via Jacobi / Montpreveyres bis Morges
31.7km / 260m rauf, 680m runter / 6h 01min Laufzeit / 08h 35min unterwegs
Morgen und Abend bedeckt, dazwischen strahlender Sonnenschein / Hotel Couronne
Problemwälzung
Geschlafen habe ich nicht so gut, bzw. hat es ewig gedauert, bis ich einschlafen konnte. Bisher war ich immer so müde von der Strecke, dass ich jeweils sofort eingeschlafen bin. Gestern war ich zwar auch durch, aber im Bett habe ich dann gemerkt, dass mein Körper von der kurzen Etappe noch fit war und der Kopf dadurch auch nicht wirklich zur Ruhe kommen wollte. Immerhin tat mir zur Abwechslung mal nichts weh. Da ich aber schonmal wach im Bett lag, hat mein Kopf noch ein paar Überstunden geleistet. Ich kann das Problem zwar definitiv nicht jetzt lösen, aber warum nicht schon mal alle möglichen Probleme und Hindernisse durchspielen. Irgendwann bin ich dann doch eingeschlafen. Der Morgen verläuft wie mittlerweile üblich. Aufstehen, packen, frühstücken, loslaufen.
Morgenstimmung
Am Morgen ist es kühl und windig, beim Laufen läuft mir aber trotzdem der Schweiss runter. Leider bringe ich die Morgenstimmung nicht aufs Bild. Es sieht so schön mystisch aus. Ich stehe wieder mal leicht erhöht und habe einen super Ausblick. Dunst steigt vom Wald in der Ferne auf, die Berge sind von Wolkenschlieren verdeckt und eingerahmt. Ich liebe es, am Morgen unterwegs zu sein und die schöne Herbststimmung zu geniessen.


Das Staunen nicht vergessen
Nach einer Weile geht es hauptsächlich geradeaus. Ich bin noch im Schatten unterwegs und fröstle ein bisschen. Wann immer die Sonne an meinem Standort zwischen den Bäumen durchkommt, sauge ich die Wärme auf. Es ist wieder ein wunderschöner Tag.
Heute will ich bis Morges laufen. Die Unterkunftssuche gestaltet sich aber als schwierig und mir fällt auf, dass ich bisher auch einfach ziemlich viel Glück hatte. Irgendwann führt mich die Strecke durch den Parc Naturel du Jorat. Ich bin so beschäftigt mit Grübeln und mich um meine nächsten Übernachtungen zu sorgen, dass ich am Anfang die Schönheit um mich herum kaum wahrnehme. Irgendwann halte ich inne, sehe mich um und erinnere mich daran, die Gegend bewusst anzusehen und zu geniessen. Es ist wirklich schön hier. Die Sonne fällt durch die Bäume und von den moosbewachsenen Stämmen steigt Dunst vom gestrigen Regen auf.






Unterkunftsschwierigkeiten
Gegen Mittag bin ich kurz vor Lausanne und mache eine Pause, um mich jetzt für meine Übernachtung zu entscheiden. Von den Privatpersonen hat in Morges niemand Zeit. Das eine Hotel, dass Pilger aufnimmt, steht kurz vor der Schliessung und beherbergt keine neuen Gäste mehr. Das andere ist ein Standarthotel mit Standartpreisen. Ich überlege kurz, in Lausanne zu bleiben. Es ist aber mal wieder ein bisschen früh und zudem macht das dann die Streckenplanung für die nächsten Tage auch nicht einfacher. Mittlerweile bin ich so genervt von meinen Gedanken und dass es nicht so klappt, wie ich mir das vorstelle, dass ich irgendwann eine Übernachtung im Hotel buche. Aua sagt mein Budget da. Wobei ehrlich gesagt mein Kopf wohl das grössere Problem damit hat als mein Budget. Also soll es wohl einfach so sein.


Zukunftspläne
Kurz darauf spaziere ich durch Lausanne und versuche, so schnell wie möglich wieder aus der Stadt rauszukommen. Zu viele Leute für meinen Geschmack. Allerdings verliere ich die Route ein paar Mal und versuche mein Glück mit digitaler Navigation. Irgendwann schaffe ich es mit ein paar Umwegen tatsächlich. Die Strecke führt nun am See entlang. Immer noch eher viele Menschen, aber es ist wunderschön. Durch den strahlenden Sonnenschein glitzert das Wasser, ich liebe das. Ich beobachte ein paar junge Schwäne, die noch im braunen Federkleid daherkommen.
Gegen Abend bin ich wieder etwas laufmüde und unmotiviert. Zur Aufmunterung starte ich ein Hörbuch. Laufen. Essen. Schlafen von Christine Thürmer. Am Anfang erzählt sie darin von ihrem ersten Thruhike in Amerika, dem Pacific Crest Trail. Ich fange an zu träumen. Ich bin zwar gerade mit müden, schmerzenden Füssen unterwegs und habe keine Lust mehr weiterzulaufen und trotzdem halte ich den PCT gerade für eine sehr gute Idee. Mhh, vielleicht eines Tages... Warum nicht das nächste Abenteuer gedanklich vorplanen, wenn mir das aktuelle gerade auf die Nerven geht? Das mache ich häufig und auch auf dem Jakobsweg verbringe ich viel Zeit mit Zukunftsüberlegungen. Am Morgen topmotiviert und mit hundert Ideen. Aber auch am Nachmittag, wenn ich keine Lust mehr zum Laufen und schmerzende Füsse habe, kommen mir noch weitere Wanderungen und Unternehmungen in den Sinn, die ich gerne machen möchte.



Man kann auch erst unterwegs planen...
Ich komme relativ früh in meinem überteuerten Hotelzimmer an. Das grosse Plus ist, dass ich meine Ruhe habe und allein bin. Sonst ist der Kontrast zu letzter Übernachtung sehr hoch. Eine wunderschöne, liebevoll renovierte Herberge, topmodern mit persönlicher Betreuung auf Spendenbasis zu einem teuren, in die Jahre gekommenen Hotelzimmer mit einem Wasserkocher als Kaffeemaschine. Aber ich habe Zeit und den Raum, um meinen weiteren Weg etwas vorzuplanen und zu recherchieren. Ein paar Stunden später habe ich zumindest einen groben Plan und eine Route für die letzten Tage in der Schweiz und eine knappe Woche in Frankreich. Damit bin ich dann tatsächlich gegen Ende nächster Woche in einem Ort auf der Strecke mit Zuganschluss. Ich habe mir Tagesetappen um die 30 Km zusammengebastelt und meistens eine passende Unterkunft gefunden. Nur das letzte Wegstück zeigt sich Übernachtungstechnisch nicht ganz so, wie ich das möchte, aber ich buche zur Not eine Unterkunft via Booking.
Das Einschlafen gestaltet sich dann wieder ein bisschen schwierig. Mein Hirn denkt und plant noch etwas weiter. Unterwegs schmerzen die Füsse immer noch, aber abends im Bett tut nichts mehr weh. Es ist einfach schön, zu liegen. Und irgendwann schlafe ich dann auch ein.
