16.10.2026 / Via Gebennensis / Saint-Genix-sur-Guiers bis Châbons
42km / 900m rauf, 600m runter / 8h 09min Laufzeit / 09.13min unterwegs
strahlender Sonnenschein / Übernachtung über Airbnb bei C.

Morgenrot

Ich will auch heute wieder möglichst früh starten, damit ich die lange Strecke schaffe. Ich habe mich schon gestern genauer geachtet, wann es eigentlich mittlerweile dunkel wird. Gefühlt jeden Tag eine halbe Stunde früher. Glücklicherweise serviert C. das Frühstück schon um 7.00 Uhr. Ich muss immer erst herausfinden, was für meine Gastgeber denn "früh" heisst und ab wann ich erscheinen kann. Als ich gestern Abend nachgefragt habe, hat C. schmunzelnd gemeint, dass sie mir das Frühstück ab 5.30 Uhr servieren würde, dann sei es aber noch ein bisschen dunkel. Absolut, so früh will ich mich nicht auf die Socken machen, aber 7.00 Uhr passt mir ganz gut.

Weil ich so früh starte, ist es noch leicht dämmrig. Dafür werde ich mit wunderschönem Morgenrot belohnt. Nach einer Weile lande ich wieder in der Nebelsuppe. Nebel am Morgen finde ich sehr schön, solange er sich irgendwann auch wieder verzieht. Das ist heute gegen Mittag der Fall. Danach herrscht wieder strahlender Sonnenschein.

Kastanienwälder

Die Temperaturen fühlen sich ein bisschen übertrieben an, wenn ich an der direkten Sonne unterwegs bin, ist es mir definitiv zu heiss. Es fühlt sich nicht wie Mitte Oktober an. Ich bin jedesmal froh, wenn ich wieder in den Wald komme und ein bisschen im Schatten unterwegs sein kann. Die Wälder bestehen mehrheitlich aus Kastanienbäumen. Ab und zu vermischt mit Eichen. Der Boden ist dadurch von Laub, Kastanien und Eicheln bedeckt. Eine andere Waldbeschaffenheit, als ich sie kenne und sehr schön.

Ein Schritt nach dem anderen

Ich bin heute ein bisschen in einem meditativen Trott unterwegs. Einfach einen Fuss vor den anderen setzen. Die Blasenbildung an den Fersen geht munter weiter. Abwärts laufen ist am schlimmsten, aufwärts für die Füsse am angenehmsten. Ich freue mich aufs Ankommen, aber es ist auch eine interessante Erfahrung zu sehen, wie man trotzdem immer weiter kommt. Einen Schritt nach dem anderen. Auch wenn die Füsse schon am Morgen Probleme bereiten und ich die Distanz überambitioniert gewählt habe.

Doch zu früh

Ich mache kaum Pausen heute, sondern laufe einfach konstant weiter. Ich bin langsamer unterwegs als sonst, das ist sicher gut bei der Distanz heute. Bisher ist es mir ja noch nicht gelungen, das Lauftempo ein bisschen zu verlangsamen. Gegen Abend merke ich, dass ich vermutlich zu früh sein werde. Ankunft ist ab 17.00 Uhr möglich. Aber Hauptsache, ich habe mir schon ausgerechnet, wann es dunkel wird. Ich verlangsame noch mehr und bin trotzdem eine Viertelstunde zu früh im Quartier, wo die Unterkunft ist. Ich suche mir einen kleinen Schattenflecken und warte. Plötzlich steht ein älterer Herr neben mir und fragt, ob alles in Ordnung ist. Ich gebe wohl auch ein seltsames Bild ab, sitze hier mitten im Quartier mit Rucksack am Boden. Ich kürze meine Erklärung darauf ab, dass ich nur eine kurze Pause mache.

Leseabend

Um kurz nach 17.00 Uhr laufe ich rüber zu C. Sie begrüsst mich freundlich und ist mir sofort sehr sympathisch. Wir unterhalten uns auf Französisch, aber sie erzählt mir, dass sie mal in Bern gelebt hat und ein bisschen Deutsch kann. Das Zimmer ist gemütlich und liebevoll eingerichtet. Nach einer Dusche geniesse ich es, im Bett zu liegen und zu lesen. Morgen erwartet mich jetzt noch die kurze Strecke bis zum Bahnhof in Le-Grand-Lemps. Und falls meine Füsse gar nicht mitmachen wollen, könnte ich zur Not auch hier in Châbons den Zug nehmen.