11.10.2026 / Via Jacobi / Gland bis Genf
41.3km / 400m rauf, 450m runter / 7h 47min Laufzeit / 09.23min unterwegs
bewölkt, ab und zu sonnig / Übernachtung im Geneva Hostel

Sonntagmorgen

Beim Frühstück erzählen M. und Th. von ihrem Abendessen gestern. Die beiden waren in einem Restaurant, dass das Essen für Pilger vergünstigt anbietet. Der Aushang dazu hängt in der Pilgerherberge und J. hat es gestern Abend empfohlen. Sie erzählen begeistert von dem noblen Restaurant mit gutem Essen, dass sie serviert bekamen. Klingt, als hätte es sich gelohnt.

Als ich mich wieder auf den Weg mache, schaue ich als erstes bei Google Maps nach Einkaufsläden in der Nähe. Alle geschlossen. Oh, es ist ja Sonntag. Tja, gut geplant ist halb gewonnen. Nur weil für mich der Wochentag gerade absolut keine Rolle spielt, gilt das noch lange nicht für alle... Am Bahnhof werde ich aber fündig und stocke meine Vorräte auf. Langsam habe ich unterwegs mehr Hunger. Mein Körper merkt wohl, dass das viele Laufen kein Scherz ist und ein bisschen mehr Kalorien nicht schaden würden.

Nach einer Weile hole ich T. ein, die wohlgemerkt heute morgen nach mir gestartet ist. Eine Weile unterhalten wir uns, dann laufen wir noch eine Weile schweigend nebeneinander, bis sich unsere Wege wieder trennen. Bisher habe ich sonst noch keine anderen Pilger auf dem Weg getroffen. 

Zuckerschock

Am Nachmittag geniesse ich meine Ruhe und dass ich wieder in meinem ganz eigenen Tempo laufen kann. Auch wenn wir am Morgen ähnlich schnell unterwegs waren, ist es doch immer ein Anpassen, wenn man zu zweit unterwegs ist. Ich laufe ein paar Umwege wegen Baustellen und je näher ich Genf komme, desto öfter laufe ich auch wieder an Strassen entlang. Auf einer meiner Baustellenumzirklungen sehe ich einen offenen Voi und ergreife die Chance, eine Cola zu kaufen. Dabei nehme ich noch gleich einen Kübel vegane Ben & Jerries mit. Als ich wieder draussen mit essen beginne, merke ich, dass das ein bisschen doof war. Der Kübel ist riesig und wirklich randvoll, viel zu viel. Und ich habe ja jetzt keine andere Möglichkeit, als alles aufs Mal zu essen. Das schaffe ich allerdings tatsächlich und mir ist nicht mal schlecht danach. Zu Abend gegessen habe ich damit wohl auch.

Botanischer Garten Genf

Irgendwann stelle ich nach einem Blick aufs Handy fest, dass ich heute wohl die 40 Km knacken werde. Nach dem Nachmittagstief und ausgelöst vom vielen Zucker bin ich jetzt allerdings hochmotiviert unterwegs und habe das Gefühl, noch lange so weiterlaufen zu können. Kurz darauf komme ich am botanischen Garten von Genf vorbei. An zwei Eingängen laufe ich vorbei, weil ich denke, es ist besser auf direktem Weg zur Unterkunft zu gehen. Bei der Dritten biege ich dann doch ab. Ich schlendere ein bisschen durch, merke aber schnell, dass ich doch ziemlich müde bin und meine Aufnahmefähigkeit gegen null geht. Also suche ich den Ausgang (eine ganze Weile) und laufe das letzte Stück bis zum Hostel.

Das nächste Mal nehme ich Ohrstöpsel mit

Ich checke ein und gehe ins Zimmer. Es ist ein 6er Frauenschlafsaal. Als ich reinkomme, sind zwei Betten mit Sachen belegt, aber niemand da. Ich gehe duschen und lese danach noch ein wenig. Bis am Abend sind 5 Betten belegt. Gemütlich ist es nicht sonderlich und die Stimmung im Zimmer ist seltsam, weil niemand spricht. Ganz anders als in den Pilgerherbergen. Allerdings hat man da ja schon eine gemeinsame Basis mit ein paar Themen, über die man sich unterhalten kann. In Genf wäre noch das Petershöfli als Unterkunft in Frage gekommen. Dieses bietet jungen Frauen in Ausbildung eine sichere und erschwingliche Unterkunft seit über 150 Jahren und beherbergt auch Pilger. Ich nehme an, da wäre die Atmosphäre angenehmer gewesen. Ich ärgere mich ein bisschen, dass ich nicht da gebucht habe - es war ein paar Franken teuer und ein paar Schritte mehr, als einfach über Booking das Hostel zu buchen. Tja, am falschen Ende gespart.

Es dauert schon am Abend lange, bis ich einschlafe. Es raschelt und lebt noch lange im Zimmer, jemand schnarcht leise. Irgendwann schlafe ich ein. Gegen 03.30 Uhr drifte ich langsam vom Schlaf in einen Dämmerschlaf und fange an, ein penetrantes Schnarchen wahrzunehmen. Irgendwann bin ich vollends wach und versuche nach einem Blick auf die Uhr wieder einzuschlafen. Aber das Geräusch macht mich wahnsinnig. Bisher hatte ich auf Reisen eigentlich immer Ohrstöpsel dabei, aber nie gebraucht. Ich habe auch noch nie ausprobiert, ob ich damit schlafen kann. Da ich sie ja eh nie gebraucht habe, habe ich sie diesmal zu Hause gelassen. Gewichtsersparnis und so. Jetzt gerade würde ich sie allerdings gerne ausprobieren. Nach einer Weile überlege ich mir, Musik zu hören. Allerdings sind meine Airpods in der Rucksackhüfttasche und ich weiss nicht, ob ich da so einfach drankomme. Irgendwann bin ich aber so genervt, dass ich möglichst leise nach dem Rucksack fische. Zum Glück habe ich eins der unteren Etagenbetten. Mit Musik in den Ohren höre ich das Schnarchen zwar immer noch, aber es wird abgeschwächt und ich habe meinen Frieden wieder. Kurz darauf nehme ich ein anderes Geräusch wahr. Klingt nach einem Wecker. Um 04.00 Uhr. Und tatsächlich, kurz darauf geht eine Nachttischlampe an. Egal, ich bin ja eh schon wach. Irgendwann schlafe ich dann wieder ein.