14.10.2026 / Via Gebennensis / Desingy bis Crémon
35.3km / 500m rauf, 630m runter / 6h 25min Laufzeit / 08.58min unterwegs
strahlender Sonnenschein / Übernachtung Gîte d'étappe Le Moulin

"Einen guten Weg"

Am Morgen ist wie immer der Kaffee mein Highlight nach dem Aufstehen. Ich beeile mich mit dem Frühstück, damit ich um 8.00 Uhr loskann und den Tag nützen. Meine für heute geplante Strecke ist wieder ein bisschen lang. Da ich ja jetzt festgestellt habe, dass es hier in Frankreich ziemlich rauf und runter geht und ich dafür länger brauche und es anstrengender ist, bin ich ein bisschen nervös wegen der Streckenlänge der nächsten Tage. G. und A. sind beide sehr nett. Leider ist es für mich auf Französisch schwierig, ein richtiges Gespräch zu führen, daher bleibt die Unterhaltung oberflächlich. Bei der Verabschiedung wünscht mir A. auf Deutsch einen guten Weg, was mich sehr freut.

Der Rhône entlang

Nach einer kurzen Anfangssteigung geht es heute erstmals ein bisschen runter und dann ziemlich lange geradeaus. Ein grosser Teil der Strecke führt der Rhône entlang. Es ist wieder wunderschön und sogar angenehm zum Laufen. In Frankreich stelle ich ab und zu fest, dass die angebrachten Wegmarkierungen nicht mit meiner Camino App übereinstimmen. Meistens folge ich den Wegmarkierungen. Heute führen die mich allerdings vom Fluss weg gegen die Strasse. Das ist jetzt nicht so wirklich mein Ziel. Die Camino App weist weiter der Rhône entlang, also drehe ich vorne an der Strasse um, laufe zurück ans Wasser und folge diesem Weg. Viele Wege führen nach Rom. Oder nach Santiago. Zuerst laufe ich im Wald und geniesse den Schatten. Am Nachmittag führt der Weg dann aber an der Sonne entlang. Und die gibt gerade alles. Mir läuft der Schweiss mal wieder in Strömen runter und nach Herbst fühlt es sich im Moment nicht an. Motiviert bin ich trotzdem und gedanklich bin ich wie so oft am Pläne schmieden. Ich bin voller Energie und habe immer neue Ideen, was ich noch alles machen könnte.

Chanaz

Nach knapp 30 Kilometern komme ich nach Chanaz. Den wunderschönen Ort, direkt an einem Kanal gelegen, hat mir am Morgen schon A. empfohlen. Da ich doch langsam ein wenig müde werde, mache ich hier eine Pause. Auf einer Aussenterrasse geniesse ich eine Cola und eine Glace, um meinen Zuckerspeicher ein wenig aufzufüllen. Nach dem gemütlichen Geradeauswandern, erwarten mich jetzt nach 29 schon gelaufenen Kilometern noch 6 Km bergauf. Ich kann mir das Leben echt sehr gut selber schwer machen. Mein Rücken tut weh, irgendwie habe ich heute den Rucksack schräg eingestellt getragen. Zudem ist er auch ein gutes Stück schwerer als am Anfang, da ich mittlerweile mehr Wasser und Essen rumtrage. Nach einer Weile - einer kurzen Weile, die Ungeduld lässt grüssen - mache ich mich ans letzte Stück für heute.

Durch die Weinreben

Der Aufstieg ist schlussendlich gar nicht so schlimm wie befürchtet. Und ich bin mal wieder schneller als gedacht. Irgendwann setze ich mich noch eine Weile hin, um zu lesen. Sonst wäre ich zu früh bei der Unterkunft, Ankunft ist ab 17.00 Uhr möglich. Der letzte Abschnitt führt dann durch Weinreben und ist wunderschön zum Durchwandern. Die Strecke heute war allgemein unschlagbar und ich habe viele Fotos gemacht.

Bei meiner Ankunft erklärt mir D., dass kurz vor mir schon eine andere Pilgerin angekommen ist. Mit E. unterhalte ich mich eine Weile. Sie kommt aus Deutschland, was unsere Kommunikation natürlich vereinfacht. Aber auch sonst ist unsere Unterhaltung angenehm und interessant. E. hat schon öfters längere Wanderungen unternommen, aber noch nie alleine. D. hat sich zwischenzeitlich verabschiedet und angekündigt, dass sie um 21.00 Uhr nochmals kommt, um unsere Pilgerpässe zu stempeln und abzurechnen. 

Ich finde es immer wieder spannend, wie mir mit bestimmten Menschen die Kommunikation viel einfacher fällt und was für Schwierigkeiten ich bei anderen habe. Mit der Herbergerin komme ich nicht auf einen grünen Zweig. Unsere Charakterzüge sind zu verschieden, um in den kurzen Gesprächen eine sinnvolle Unterhaltung zu führen. Und das liegt ausnahmsweise nicht am Französisch. Mit E. ist es genau umgekehrt. Mit ihr zu reden fällt mir viel leichter, als es normalerweise bei den typisch eher oberflächlichen Gesprächen mit einer Fremden der Fall ist.