17.10.2026 / Via Gebennensis / Châbons bis Le Grand-Lemps
10.5km / 230m rauf, 270m runter / 1h 56min Laufzeit / 02.08min unterwegs
Nebel und bewölkt / Heimreise
Zum letzten Mal packen
Diese Nacht hat mir wieder alles wehgetan. Am Morgen packe ich ein letztes Mal meine Sachen zusammen. Ziemlich wehmütig. Es ist eine schöne Gewohnheit, jeden Morgen meinen ganzen Kram im Rucksack zu versorgen. Unterwegs ist man so auf das Wesentliche reduziert, es braucht nicht viel. Und trotz der Wehmut muss ich die ganze Zeit lächeln. Es waren zwei so schöne und lehrreiche Wochen. Schwer in Worte zu fassen.
Nachdem ich alles eingepackt habe, warte ich noch eine Weile. Dummerweise habe ich meine Gastgeberin gestern nicht gefragt, ab wann sie auf ist. Da ich eine bestimmte Zugverbindung präferiere, habe ich es aber mal wieder ein bisschen eilig. Irgendwann schreibe ich ihr eine Nachricht, um mitzuteilen, dass ich mich verabschieden würde, sobald sie wach ist. Kurze Zeit später kommt sie runter. Ich habe ein schlechtes Gewissen, dass ich sie am Samstagmorgen zum Bett rausscheuche. Sie entschuldigt sich ihrerseits, dass sie so lange im Bett war und bietet mir an, mich zum Bahnhof zu fahren. Ich winke ab, bedanke mich und laufe los.



Das letzte Wegstück
Es ist stürmisch und grau, aber trocken. Ich liebe so stürmisches Wetter und es ist der perfekte Abschluss. Ich geniesse die Landschaft und die Stimmung und versuche, ein paar Fotos zu machen. Die fangen das Gefühl allerdings nicht ein, es sieht einfach nur grau aus. Das letzte Stück geht erstmals steil rauf, dann steil wieder runter. Wieso nochmal war mir der Bahnhof in Châbons nicht gut genug? Nachdem ich endlich den höchsten Punkt erreicht habe, geht es wieder runter. Viel besser. Für ungefähr fünf Sekunden. Dann melden sich meine Füsse. Die finden runterlaufen absolut uncool. Dabei rutsche ich nämlich mehr in den Schuhen rum und meine Fersen leiden unter den Blasen. Kurz darauf kommt dann das steilste Stück bergab, dass ich bis jetzt gegangen bin. Da finden auch die Knie, dass es jetzt mal genug wäre mit diesem rauf- und runtergerenne.



Der letzte Stempel
Bis Le Grand-Lemps ist es aber glücklicherweise nicht mehr weit. Dort angekommen suche ich zuerst die Kirche und hole mir ganz wehmütig meinen vorerst letzten Pilgerstempel. Ich hätte nie gedacht, dass mir das Stempeln so viel bedeuten würde. Der Pilgerpass ist in vielen Pilgerherbergen Pflicht, um die vergünstigten Angebote in Anspruch nehmen zu dürfen. Auch sonst wollte ich die Stempel durchaus sammeln, aber am Anfang war das mehr so der Gedanke, ich mache es, weil es dazu gehört. Ich habe mich dazu entschlossen, nur in den Orten zu stempeln, wo ich übernachtet habe und nicht unterwegs bei jeder Möglichkeit einen einzusammeln. Darüber bin ich jetzt sehr froh. Die Stempel zeigen mir meine Route und erinnern mich an die einzelnen Übernachtungen und Begegnungen unterwegs.

Der Rückweg
Nachdem diese letzte Mission erfüllt ist, mache ich mich auf den Weg zum Bahnhof. Dort angekommen, warte ich ca. 20min auf den Zug und bin froh, als dieser endlich kommt. Zum verschwitzt Rumstehen ist es nicht wirklich warm genug heute und mich frierts. Im Zug ist es dann zumindest windstill, aber auch nicht unbedingt warm. Darum fische ich irgendwann meinen Pullover aus den untiefen des Rucksacks und bin mal wieder sehr froh, dass ich ein Modell habe, dass sich per Reisverschluss an der Vorderseite öffnen lässt.
Es ist ein bisschen seltsam, die Strecke, die ich in zwei Wochen zu Fuss gelaufen bin, nun in ein paar Stunden im Zug zu durcheilen. Allerdings fühlt es sich für mich weniger seltsam und entrückt an, als ich erwartet hätte. Vielleicht liegt es daran, dass ich mir solche Szenenwechsel mittlerweile ein bisschen gewöhnt bin. Auf der Heimreise von Schweden hatte ich mehr Mühe damit, plötzlich nicht mehr in dieser Bubble zu sein. Nach meiner Ankunft in Bätterkinden laufe ich noch vom Bahnhof nach Hause. Der definitive Abschluss vom zu Fuss Unterwegs sein. Mittlerweile regnet es, sodass ich mich auf die Ankunft im Trockenen freue. Und darauf, aus den Schuhen rauszukommen und meinen Füssen eine wohlverdiente Pause zu gönnen.
