07.10.2026 / Via Jacobi / Freiburg bis Curtilles
39.5km / 690m rauf, 770runter / 7h 10min Laufzeit / 09.59min unterwegs
bewölkt, am Nachmittag leichter Regen / Übernachtung bei M.
Erlebnisse am Morgen
Ich schlafe bis kurz nach 6 Uhr, halte mich aber noch eine Stunde im Bett still. Es sind nicht viele Leute auf dem Stock, aber der Boden knarzt sehr laut. Und es ist sowieso noch dunkel draussen. Gegen 7 Uhr stehe ich auf und mache mir einen Kaffee, den es glücklicherweise dazugibt. Das Pilgerstockwerk hat eine Küche zur Benutzung inkl. Kaffeemaschine.
Kurz darauf sind meine Sachen gepackt und ich pilgere los. Erst gehe ich einkaufen und dann versuche ich, mich aus der Stadt rauszunavigieren. Ich komme mir mit meinem Rucksack immer ein bisschen blöd vor. Und von Städten bin ich ja per se nicht so ein Fan, daher bin ich immer froh, wenn ich mich nicht im Getümmel aufhalten muss. Wanderwegmarkierungen gibt es auch in der Stadt zuhauf, aber ich weiss nie so genau, ob mich die dann auch wirklich auf den Jakobsweg führen.
Am Morgen scheint zuerst noch die Sonne, dann wird's bedeckt und ab 13 Uhr ist Regen gemeldet. Davor graut es mir ehrlich gesagt ein bisschen. Aber mal schauen, wie sich meine Ausrüstung so schlägt. Morgen soll es dann noch mehr regnen.
Plötzlich stehe ich vor einer Absperrung. Holzschlag. Ah ja, nur weil ich irgendwo durch will, heisst das ja noch lange nicht, dass ich auch durch kann. Ich bin ganz froh, dass ich jetzt nicht mit der Papierkarte meinen Standort und dann die richtige Richtung herausfinden muss, sondern einfach in der App nachschauen kann, wo ich gerade stehe und welcher Weg in der Nähe um den Abschnitt herumführt. Gesagt, getan und kurz darauf bin ich wieder auf der Via Jacobi.
Nach einer Weile werde ich von einer Mutter mit zwei kleinen Kindern auf den Velos überholt. Kurz darauf fährt der Junge zu nah am Rand und fällt um. Ich bin mittlerweile fast wieder gleichauf wie sie und erwarte tränenreiches Geschrei. Aber der Junge steht wieder auf, lässt sich von seiner Mutter das Fahrrad und die Trinkflasche richten und als ich sie nun meinerseits überhole, sitzt er schon wieder auf dem Fahrrad und singt vor sich hin.



Darum ist der Regenschutz also leuchtend grün
Zum Starten war die Strecke eigentlich ganz schön, am Nachmittag laufe ich jetzt allerdings fast nur noch Strassen entlang. Mal an der Hauptstrasse ohne Trottoir, mal auf einer Landstrasse im 80er. Nicht so wahnsinnig toll. Vermutlich ist darum der Regenschutz von meinem Deuter Rucksack knallgrün, damit man auch bei schlechtem Wetter gut ersichtlich ist und vor sich hin leuchtet. Ich komme mir allerdings ein bisschen blöd vor, so neongrün bepackt. Vor allem, weil es die meiste Zeit gar nicht regnet. Nur ab und zu, aber ich bin viel zu faul, den Regenschutz zwischendurch wieder abzunehmen. Das Laufen an der Strasse ist nicht so schön, aber immerhin hat es nicht allzu viel Verkehr. Das Wetter passt dazu und der Sprühregen zwischendurch ist ganz angenehm. Ich bin froh, dass es nicht mehr so warm ist und die Sonne nicht runterknallt.



Die Qual der Übernachtungswahl
Es ist Wahnsinn, wie viel Zeit ich damit verbringe, mir zu überlegen, wo ich übernachten soll. Zuerst schwanke ich zwischen Villorsonnens / Orsonnens und Romont. Villorsonnens ist nur etwa 23 Km entfernt, mir also eigentlich zu wenig. Dafür hat es dort eine Pilgerherberge. Romont ist 30 Km entfernt und zur Übernachtung bieten sich hauptsächlich Privatpersonen an. Irgendwann entscheide ich mich für Romont, sonst ist mir die Strecke zu kurz. Ich frage bei zwei Personen für eine Übernachtung an und erhalte eine Absage und eine Zusage. Plötzlich stehe ich dann schon kurz vor Romont und schaue auf die Uhr. 15.30 Uhr. Mhh, ich habe eigentlich keine Lust, so früh schon anzukommen. Was soll ich sonst den ganzen Abend noch machen? Nach der Ankunft reicht meine Energie ja sowieso nur noch zum Schlafen und dafür ist es noch ein bisschen früh.
Also beschliesse ich kurzerhand weiterzulaufen. Noch 9 Km, wieso nicht. Ich sage die Unterkunft ab und frage die nächste in Curtilles an. Als ich nach Romont komme, geht es ewig steil hoch und ich erinnere mich daran, dass ich am Montag gelernt habe, die Strecke nicht nur nach Distanz zu beurteilen, sondern auch nach Höhenmetern. Das habe ich natürlich schon wieder vergessen und verfluche mich für meine Entscheidung, weiter zu laufen. Zudem stresst mich die Unterkunftssituation langsam aber sicher, da ich noch keine Antwort erhalten habe. Also frage ich noch an einem zweiten Ort an. Viel mehr Möglichkeiten habe ich dann auch nicht mehr. Ein Schloss, dass aber ordentlich was kostet. Oder weiterlaufen nach Mouton, aber das wäre noch ziemlich weit und ich bin schon völlig durch. Die zweite Anfrage wird schnell abgesagt. Ich entscheide mich, bis zur Kreuzung zu laufen, von der aus ich fürs Schloss in eine andere Richtung gehen müsste und da bei der ausstehende Anfrage noch anzurufen. An der Kreuzung angekommen nehme ich das Handy hervor und stelle fest, dass die Frau versucht hat, mich zu erreichen. Ich rufe zurück und habe grosses Glück, sie ist zu Hause und hat noch ein Bett frei. Und spricht sogar deutsch, Glück für mich. Eine Viertelstunde später bin ich nach fast 40 Km an meinem heutigen Ziel angekommen.



Abendruhe
M. heisst mich herzlich Willkommen, zeigt mir das Zimmer und fragt, ob ich Abendessen und Frühstück inklusive möchte. Das Abendessen lehne ich dankend ab, ein bisschen was habe ich unterwegs gegessen und ansonsten habe ich nach dem Laufen meistens nicht gross Hunger. Wir machen eine Uhrzeit für das Frühstück aus und ich verziehe mich ins Zimmer. Duschen, kurz ankommen und dann steht mir noch der Telefonaustausch für meinen nächsten Workaway-Aufenthalt bevor. Wenn ich im November nach Schweden reise, möchte ich auf dem Weg nach Gargnäs noch 14 Tage in Kromfors verbringen. Angefragt habe ich da schon lange, das Telefonieren habe ich dann allerdings wie üblich ein bisschen verdrängt. Darum mache ich es jetzt halt von unterwegs. Bräuchte ich heute auch nicht mehr unbedingt. Aber egal, ist ja typisch für mich. Und was anderes als selbst Schuld kann ich nicht dazu sagen.
Nachdem auch das geschafft ist, mache ich mich schlaffertig. Herrje tut mir alles weh, halleluja. War wohl ein bisschen übertrieben heute.... Aber ich bin seeehr dankbar, dass das mit der Übernachtung für diese Nacht noch so gut geklappt hat. Jetzt regnet es draussen ziemlich stark und ich bin so dankbar, im Bett zu liegen und ein Dach über dem Kopf zu haben.
